Verzögerte Softwareentwicklung wegen Pyrethroid-Vergiftung

In eigener Sache schreibe ich als Entwickler der gFM-Business ERP-Software eine dringende Warnung zur Nutzung von Insektensprays, die als Wirkstoff Pyrethroide enthalten und teile gleichzeitig mit, dass sich die Entwicklung der gFM-Business Warenwirtschaft und die Veröffentlichung der neuen Version 5.0 leider um einige Wochen verzögern wird. Mitte letzten Jahres bezog ich eine neue Wohnung, in der sich auch mein Büroraum befand. Laut Vermieter gab es in der Umgebung in den letzten Jahren Probleme mit Wespennestern, die offenbar teilweise mit Insektenspray oder „Wespenschaum“ bekämpft wurden. Die Spraydosen, die im Keller noch vorhanden sind, enthalten den Hinweis „Zur Anwendung im und am Haus“, und dass eine gesundheitliche Gefahr für Menschen „bei sachgerechter Anwendung“ nicht gegeben sei. Obwohl diese Sprays (angeblich, da Verhalten des Vormieters unbekannt) nur draußen, allerdings auch am Haus, angewendet wurden, mußte ich nach langer Zeit der Suche leider feststellen, dass die Giftstoffe dieser Sprays offenbar in die Dämmung der Dachkonstruktion gezogen sind und somit permanent aus der Decke in die Wohnung zogen. Dies hatte schon einige Monate nach dem Einzug zu gesundheitlichen Problemen geführt, die natürlich zunächst nicht mit Giftstoffen aus Insektensprays in Verbindung gebracht wurden. Erst nach Installation eines Meßgeräts, das auch die Anzahl von Partikeln schwer flüchtiger Stoffe (VOC) anzeigen kann, wurde das Ausmaß der Vergiftung klar.

Unklare Krankheitssymptome können Folge chronischer Vergiftungen sein

Die folgenden Ausführungen sollen vor allem auch anderen Betroffenen einer möglichen Vergiftung mit Pyrethroiden oder anderen Wohngiften als Hilfestellung dienen. Bereits innerhalb der ersten Monate nach dem Einzug in die neue Wohnung haben sich leichte Symptome wie eine Störung des Geruchssinns und eine erhöhte Empfindlichkeit auf Zugluft gezeigt. Ende des letzten Jahres mußte ich mir einen Zahn ziehen lassen, dessen Lücke daraufhin nur zäh abgeheilt ist. Zwei Wochen nach dem Ziehen wuchs Gewebe aus der Lücke heraus, das in einer zweiten Sitzung mit nochmaligem Auskratzen des Kiefers entfernt wurde. Erst nach dieser zweiten Aktion heilte die Lücke äußerlich einigermaßen ab, in der ein ganzheitlicher Zahnarzt ein paar Monate später eine chronische Kieferostitis diagnostizierte.

Ein paar Monate später bemerkte ich eine Schwellung in der Leistengegend, die sich in den folgenden Wochen zu einem beidseitigen Leistenbruch ausgeweitet hat. Nachdem der Leistenbruch im Sommer in einer Klinik operativ behandelt wurde, ist das Gewebe seitdem an dieser Stelle schon wieder weicher geworden, was mich dann auch zum Kauf des Luftmeßgeräts bewogen hat und ich dann herausgefunden habe, was die Ursache für die Krankheitssymptome ist.

Seit einer Woche halte ich mich nicht mehr in meinen Räumen auf, und die Symptome haben sich bereits gebessert. Als Konsequenz werde ich schnellstmöglich in neue Räumlichkeiten umziehen und den gesamten Hausrat, der Stoffe oder Spanplatten enthält auf der Mülldeponie entsorgen. Möbel mit glatten Flächen können mit PEG 400 dekontaminiert werden, hierbei wird der Einsatz eines Waschsaugers empfohlen, der die giftigen Stoffe aufsaugt, damit man nicht nur das Gift auf der Oberfläche hin und her wischt. Alle Gegenstände, die Stoffe oder Spanplatten enthalten, müssen entsorgt werden, weil diese einen großen Giftspeicher darstellen und nicht dekontaminiert werden können. Dies gilt auch für die gesamte Kleidung, die vollständig entsorgt werden muß.

Pyrethroide können bei chronischer Exposition eine Vielzahl an Krankheitssymptomen auslösen. Sehr häufig ist ein extrem sensibler Geruchssinn auf Chemikalien, Wortfindungsprobleme und beeinträchtigtes Kurzzeitgedächtnis, motorische Schwierigkeiten, Kopfschmerzen oder auch Kribbeln auf der Haut. In schweren Fällen und bei längerer Exposition haben Pyrethroide auch zu Alzheimer und Demenz geführt.

Pyrethroide können sich über Jahrzehnte in Innenräumen halten

Je tiefer ich zu diesem Thema recherchiert habe, desto unklarer wurde mir, warum solche Insektensprays mit Pyrethroiden als Wirkstoff (z.B. Permethrin, Tetramethrin, Imiprothrin, Deltamethrin, Cyphenothrin, d-Phenothrin und viele andere) überhaupt für den Verkauf an Privatpersonen zugelassen sind und warum sie auch breitflächig in Produkten wie Wollteppichen, Kleidung, Matratzen und Schlafsäcken verwendet werden. Diese Gifte sind absichtlich so konstruiert worden, dass sie so lange wie möglich im Außenbereich stabil bleiben. Da diese Stoffe vor allem durch UV-Licht zersetzt werden, das in Innenräumen so gut wie nicht vorhanden ist, halten sich diese Giftstoffe in Innenräumen Jahre oder sogar Jahrzehnte. Die Stoffe binden sich vor allem an Staub, den man als Hausstaub in der Wohnung permanent einatmet.

Übrigens sind diese Stoffe nicht nur in Insektensprays enthalten, sondern werden z.B. auch oft bei der Herstellung von Teppichen und vielen Wollprodukten verwendet. Es gibt auch Permethrin-haltige Flohhalsbänder oder auch Suspensionen für Hunde, die man, abgesehen von sowieso gar nicht, aber erst Recht auf gar keinen Fall bei Katzen verwenden darf. Tut man das, wird die Katze in kurzer Zeit elendig verenden.

Wie wird man Wohngifte und Pyrethroide im Körper wieder los?

Wenn man chronisch mit Wohngiften, z.B. über den Hausstaub, belastet wird, ist der menschliche Körper nach einiger Zeit nicht mehr in der Lage, die eingeatmeten Gifte schnell genug abzubauen, so daß er beginnt, die Stoffe im Fettgewebe einzulagern. Je nach Dauer der Exposition kann es also sein, daß sich eine beträchtliche Menge an Giftstoffen im Fettgewebe des Körpers befindet. Um diese wieder loszuwerden, gibt es einige Tipps, was man neben einer gesunden Ernährung tun oder einnehmen kann:

  • Mariendistelkomplex mit Löwenzahn und Artischocke stärkt die Leber
  • Leberwickel sorgt für bessere Entgiftung
  • Zeolith entgiftet die Stoffe über den Darm (probieren, ob man es verträgt)
  • Brennesseltee unterstützt die Nieren, dazu viel trinken
  • Viele Omega-3-Fette, z.B. Leinöl oder Hering
  • Magnesium/Zink oder Basenpulver

Erst nach einiger weiterer Recherche bin ich auf einen Artikel im Ärzteblatt von 1995 gestoßen, in dem der Arzt Dr. med. Elmar Ulrich ein einfaches Verfahren zur Entgiftung von Pyrethroiden vorstellte:

  • 1-2x täglich 100mg Pyridoxal-5-Phosphat (aktiviertes Vitamin B6) für einen Zeitraum von 2-3 Monaten,
  • oder bei geringerer Belastung: Hepar Sulfuris C 1000, ca. 200 Globuli (bei Kindern weniger)

Die Belastung mit Giftstoffen wie Pyrethroide oder anderer flüchtiger Stoffe, die z.B. in Lösungsmitteln oder Holzschutzmitteln vorkommen können, kann mittels einer Urinprobe im Labor gemessen werden. Soweit mir bisher bekannt ist, werden die Kosten dafür standardmäßig nicht von den gesetzlichen Krankenkassen übernommen. Einige medizinische Labors verfügen über Toxikologen, die in so einem Fall weiterhelfen können.

Fettlösliche Giftstoffe können sehr effektiv mit einer Fern-Infrarot-Sauna aus dem Körper geschwemmt werden. Studien zufolge enthält der Schweiß bei einer herkömmlichen Dampfsauna 97% Wasser und 3% Fett. Bei einer Fern-Infrarot-Sauna beträgt dieses Verhältnis 80% Wasser und 20% Fett. Da Giftstoffe wie Pyrethroide und andere Wohngifte größtenteils fettlöslich sind, eignet sich zur Entgiftung also eine Fern-Infrarot-Sauna am Besten. Diese Vorgehensweise hat auch den Vorteil, daß die Giftstoffe direkt ausgeschwemmt und nicht durch die Leber oder den Darm verstoffwechselt werden müssen.

Mehr Informationen zur Entgiftung mit regelmäßigem Saunieren

Weitere Wohngifte mit potenzierender Wirkung

Wie sich etwas später herausgestellt hat, war die Wohnung zusätzlich mit weiteren Wohngiften belastet, die aus Holzschutzmitteln und Montageschaum stammen. Gesammelt haben sich all diese Gifte offenbar in der Glaswolle-Dämmung, die sich über der Decke der Dachgeschosswohnung befunden hat. Zusammen ergeben diese einen Giftcocktail, bei denen sich die Wirkung der Gifte gegenseitig potenziert und verstärkt.

Wenn Sie Krankheitssymptome mit unbekannter Herkunft feststellen, die sich mit der Zeit verstärken, überprüfen Sie auf jeden Fall die Luftqualität in Ihren vier Wänden. Mit Air-Q gibt es seit kurzem ein revolutionäres Luftmeßgerät, mit dem Sie die Luftqualität in Ihren Räumen messen können. Alle Meßergebnisse werden permanent aufgezeichnet und können jederzeit mit einer Smartphone-App ausgewertet werden.

Gefahren von Pyrethroiden seit Jahrzehnten bekannt

Ähnlich wie beim Thema Glyphosat und anderen Pestiziden sind auch in Bezug auf Wohngifte wie Pyrethroide die Gefahren auch in der Politik schon seit Jahrzehnten bekannt, ohne dass bisher Konsequenzen daraus gezogen wurden. So schrieb das Bundesinstitut für Risikobewertung in diesem Beitrag im Jahr 1996, dass es keinen Hinweis auf irreversible Schäden im Zusammenhang mit Pyrethroiden gäbe.

Das Ärzteblatt schrieb dazu schon vor 25 Jahren im Jahr 1995: „In neuerer Zeit häufen sich die Hinweise auf toxikologisch relevante Pyrethroidwirkungen. Ein vorschnelles Postulieren von ‚Unbedenklichkeit‘ kann daher zu nicht korrigierbaren Fehlern führen. Frühere Diskussionen um mögliche Gesundheitsgefährdungen durch Organochlorinsektizide (zum Beispiel DDT), die dann viel zu spät anwendungs- beziehungsweise produktionsverboten wurden, sollten für Ärzte eine ernste Warnung sein“. Reagiert hat die Politik darauf seit 25 Jahren bis heute nicht, und Pyrethroidhaltige Produkte können nach wie vor ohne Alters- oder Kenntnisnachweis im freien Handel erworben werden.

Berliner Mieterverein: Wohnschadstoffe – die unterschätzte Gefahr

Die bei langer chronischer Exposition entstehende Krankheit MCS (Multiple Chemikaliensensitivität) wird bis heute nicht als Berufskrankheit anerkannt. Um diesen aus meiner Sicht unglaublichen Mißständen entgegenzuwirken, wurde mit GENUK ein gemeinnütziges Netzwerk für Umweltkranke ins Leben gerufen, an das sich Betroffene gerne wenden können. Auch mir wurde hier mit einigen wertvollen Tipps weitergeholfen.

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Betrachten wir folgende Tatsachen:

Vor hundert Jahren…

…waren Herz- und Gefäßkrankheiten praktisch unbekannt. Die erste Beschreibung dieser Erscheinung stammt von 1910. Heute sind sie Todesursache Nr. 1.

…war bei allen Todesfällen in Amerika und Europa der Krebs als Ursache ungefähr 1%. Heute liegt der Prozentsatz bei ungefähr 3,4%, und damit ist Krebs die Todesursache Nr. 2. Einer von 20 Männern und eine von 5 Frauen sind von dieser Krankheit betroffen.

…kam Diabetes selten vor. Zwei von 100.000 Menschen hatten diese Krankheit, im Vergleich dazu ist es heute einer von 20. Heute ist Diabetes mit seinen Folgeerscheinungen Ursache einer hohen Todesrate.

…gab es die Alzheimer-Krankheit nicht. Diese Krankheit wurde von dem deutschen Arzt Dr. Alzheimer entdeckt. Über die Sterbefälle existieren noch wenig Statistiken, aber an der Anzahl der Patenten gemessen, könnte es Todesursache Nr. 4 sein. Alzheimer und Demenz ist übrigens eine häufige Nebenwirkung bei chronischer Exposition mit Wohn- und Umweltgiften.

Wie unglaublich und absurd mit dem Thema Umweltgifte seitens der Politik umgegangen wird, hat am 7. Dezember 2018 auch die Heute-Show aufgegriffen:

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Wenn man berücksichtigt, dass Pyrethroide als Umweltgifte nur die Spitze des Eisbergs darstellen und wir alle permanent noch vielen weiteren Umweltgiften wie z.B. Glyphosat oder auch chemischen Weichmachern und Phthalaten wie z.B. Bisphenol A, DMP, DEHP, DiNP und vielen anderen teils hochgiftigen, erbgutverändernden und/oder krebserregenden Substanzen ausgesetzt sind, ist es m.E. dringend an der Zeit, dass es bei diesem Thema zu einem deutlichen Umdenken kommt und die Politik endlich im Sinne des Menschen, also ihrer Wähler, handelt.

Ich hoffe, dass der Umzug in neue Räume zügig vonstatten gehen kann, so dass die Weiterentwicklung der gFM-Business ERP-Software so schnell wie möglich wieder in gewohntem Tempo weitergehen kann.

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Über den Autor

Markus Schall
Entwicklung von FileMaker-Datenbanken und Schnittstellen zu Drittsystemen seit 1994. Mitglied der FileMaker Business Alliance und FileMaker Developers Subscription sowie FMM Experte, FMM Award 2011 Preisträger. Entwickler der FileMaker-basierten gFM-Business ERP-Software mit persönlicher Beratung aus Oldenburg.

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